Freiräume als 1:1 Modelle

Shownotes

Freiräume als 1:1 Modelle

Wie Strasse und öffentlicher Raum die Planungskultur herausfordern

Strassen, Plätze und öffentliche Freiräume sind in dichten urbanen Zentren die augenfälligsten Orte, an denen widersprüchliche, zuweilen konflikthafte Nutzungen, Interessen und Wertvorstellungen öffentlich kollidieren – politische Situationen, die sich als «Wicked Problems» (Rittel) zeigen und für die es keine eindeutigen Lösungsmöglichkeiten gibt. Eine neue Planungskultur setzt nicht mehr auf einfache Antworten, sondern auf Prozesse des Aushandelns, Experimentierens und Lernens. Freiräume werden dabei selbst zu 1:1 Modellen urbaner Transformation: Sie machen heterogene Motive und Akteur:innen sichtbar und verändern, welche Wissensformen und welche neuen Governance-Modelle eine Kultur «lernender Planung» von Eigentümer:innen und Verwaltungen erfordern.

Nadine Heller, Nico Scholer, Vedrana Zalac, Judit Solt im Gespräch

Diese Episode bringt zwei exemplarische Freiraumentwicklungen in den Dialog, die auf unterschiedliche Weise zu Lernorten einer neuen Planungskultur geworden sind: Die Schützenmatte in Bern – Altstadtparkplatz, Skatertreff, autonomes Kulturzentrum, Drogenszene, Hitzeinsel: ein zentraler, hochgradig politischer Stadtraum, der exemplarisch für die widersprüchlichen Anforderungen an öffentliche Räume steht. Durch zahlreiche gescheiterte Planungsanläufe über Jahrzehnte blockiert, wurde der Ort ab 2012 über einen ergebnisoffenen Prozess neu erschlossen. Ausgehend von der Schützenmatte vollzog die Stadt Bern einen strategischen Kurswechsel: An die Stelle klassischer Lösungslogiken treten Dialogformate, Testnutzungen und Pionierprojekte im Massstab 1:1. Teile von Tiefbau Stadt Bern verstehen sich heute bewusst als «lernende Verwaltung» mit einer offenen Fehlerkultur.

Der Gleisbogen Dreispitz in Basel, ein stillgelegtes Gleisfeld auf dem 50 Hektar grossen Dreispitz-Areal der Christoph Merian Stiftung, das nicht nur die Frage aufwirft, wie man Gleisfelder als Freiräume entwickelt, sondern wie sich Planungsprozesse ändern müssen, wenn grosse Planungswürfe an räumlich und zeitlich fragmentierten Bedingungen scheitern, der Grossteil des Areals noch als Logistik- und Gewerbeareal in Betrieb ist, Klimaveränderungen zu Hitzebelastungen führen und Fragen der Biodiversität und des Planungsrechts aufeinandertreffen. Das Studio Gleisbogen, eine Dialogplattform von Denkstatt sàrl, vernetzte Eigentümerschaft, Nutzer:innen und Planende über vier Jahre (2020–2024) und mündete in die Gründung des Vereins Studio Dreispitz als dauerhafte Dialogstruktur zwischen Nutzung und Planung am Ort.

Judit Solt und Lena Wolfart sprechen mit Nadine Heller (Tiefbau Stadt Bern, Bereich Gestaltung + Nutzung; ZORA – Zentrum öffentlicher Raum), Walter Schenkel (Synergo), Nico Scholer (ehem. Co-Projektleiter CMS) und Vedrana Zalac (Denkstatt sàrl) über Freiräume als Lernräume urbaner Transformation.

Wie gelingt es, politisierte Blockaden über ergebnisoffene Prozesse aufzulösen? Was braucht es, damit Verwaltungen den Mut finden, Fehler als Lernbedingungen zuzulassen und in 1:1 Modellen zu testen? Welche Rolle spielen Pioniernutzungen und temporäre Interventionen für das Lernen in Planungsprozessen? Wie entstehen neue Organisationsarchitekturen, wie Vereine, als zivilgesellschaftliche Trägerschaften und Kümmerer-Strukturen, aus dem Prozess selbst? Wohin verschieben sich Aufgabenfelder und Rollenprofile bei Politik, Verwaltungen und Gestalter:innen?

Produziert in Zusammenarbeit von Denkstatt, B/IAS und espazium im Rahmen der Carte Blanche XX im Architekturforum Zürich (Dez. 2024 – März 2025).

Die Podcast-Gespräche sind Teil eines Forschungsprojektes von B/IAS zu urbanen Lernprozessen. Die Transkripte sind mit DOI versehen, zitierfähig und dauerhaft archiviert. Ben Pohl (B/IAS / Denkstatt sàrl) — Konzeption und Research.

Transkript anzeigen

00:00:01: Nico Scholer: Ein einziger Wurf war gar nicht möglich. Das haben wirklich alle Büros gesagt.

00:00:06: Wir müssen hier schrittweise vorgehen und ausprobieren.

00:00:13: Nadine Heller: Wir haben uns seit dem Stadtplanungsamt gegenüber der Politik positioniert und haben ganz klar gesagt:

00:00:19: Wir führen den Prozess nur so und sonst nicht mehr.

00:00:24: Vedrana Zalac: Eine von den Grundsätzen, die wir bei der Denkstatt verfolgen, ist dieses Dreieck.

00:00:27: Es braucht für jedes Projekt Menschen, einen Ort und eine gemeinsame Vision.

00:00:32: Und die Arbeit von der Lehrenden Planung ist, das herauszufinden.

00:00:42: Judit Solt: Das Thema des heutigen Podcasts ist Freiräume als 1 zu 1 Modelle,

00:00:47: wie Strasse und öffentlicher Raum die Planungskultur herausfordern.

00:00:52: Lena Wolfart: Ganz herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer.

00:00:55: Im Rahmen der Ausstellung, und das ist die gute Nachricht,

00:00:58: die Schweiz ist gebaut, lädt das Büro Denkstatt zusammen mit Espazium

00:01:02: zu vier Diskussionsrunden im kleinen Kreise ein.

00:01:04: Der thematische Fokus liegt also auf dem Bestand.

00:01:08: Und dabei ist wichtig, dass wir diesen nicht nur als gebaute materielle Struktur verstehen,

00:01:13: sondern auch im sozialen, im kulturellen Sinne.

00:01:17: Also im Sinne eines unsichtbaren Designs, wie Lucius Burckhardt sagen würde.

00:01:22: Die Ausgangsthese, eine neue Umbaukultur, erfordert auch eine veränderte Planungskultur.

00:01:28: Mein Name ist Lena Wolfart, ich bin Urban Designerin und Raumplanerin.

00:01:32: Ich arbeite als Projektleiterin bei Denkstatt und freue mich sehr auf das heutige Gespräch.

00:01:37: Judit Solt: Auch von meiner Seite herzlich willkommen zu dieser Diskussion.

00:01:41: Mein Name ist Judit Solt und ich werde die Ko-Moderation übernehmen,

00:01:46: quasi als externe Architekturkritikerin.

00:01:49: Graue Infrastrukturen wie Strassen oder

00:01:52: Parkplätze bergen grosse und meist wenig

00:01:55: genutzte Freiraumpotenziale.

00:01:57: Sie stellen aber eine grosse und sehr wertvolle Freiraumressource dar,

00:02:01: insbesondere in dicht besiedelten urbanen Zentren

00:02:05: wo der Nutzungsdruck auf die öffentlichen Räume steigt und gleichzeitig immer vielfältiger wird.

00:02:11: Wie können wir also dieses Freiraumpotenzial der grauen Infrastrukturen offenlegen und aktivieren,

00:02:17: um sie vielfältiger nutzbar zu machen?

00:02:20: Wie können wir sie partizipativ, kooperativ,

00:02:23: nutzerinnen- und bedürfnisorientiert weiterentwickeln?

00:02:27: Eine Möglichkeit liegt in den bereits erwähnten lernenden Planungsprozessen.

00:02:33: Man geht anhand von Testnutzungen im 1 zu 1 Modell vor,

00:02:37: plant im Dialog mit dem Ort und mit seinen Nutzerinnen.

00:02:41: Situativ, partizipativ und vor allem ergebnisoffen.

00:02:45: Man versucht nicht vorwegzunehmen.

00:02:48: Dabei wird die Logik der gängigen Planung genau umgedreht.

00:02:53: Das Projekt wird schrittweise aus dem tatsächlichen Gebrauch von Stadt entwickelt,

00:02:58: aus den lokalen Akteurnetzwerken und aus den konkreten Bedürfnissen der Nutzerinnen heraus.

00:03:04: Und eben nicht umgekehrt. Wir stellen zwei Projekte vor,

00:03:08: bei denen solche Planungsprozesse angewandt und eine Logik des Lernens in der Praxis trainiert worden ist.

00:03:15: Wir diskutieren die Projekte immer im Anschluss an die kurze Präsentation. Wir vergleichen sie,

00:03:22: wir analysieren sie und erfahren in der Diskussion mehr zu den Learnings,

00:03:27: zu Potenzialen und zu Stolpersteinen solcher Vorgehensweisen.

00:03:32: Lena Wolfart: Das erste Projekt ist der Gleisbogen in Basel und vis-à-vis von mir sitzt Vedrana Schalatz.

00:03:39: Sie ist Landschaftsarchitektin, sie ist Projektleiterin wie ich bei Denkstatt in Basel

00:03:45: und die Denkstatt war als externes Büro am Projekt Gleisbogen beteiligt

00:03:49: und Vedrana hat hier das Studio Gleisbogen, von dem wir noch hören werden, mit aufgebaut.

00:03:54: Judit Solt: Neben Vedrana sitzt Nico Scholler.

00:03:57: Er war Co-Projektleiter seitens Eigentümerschaft für das Projekt Gleisbogen in Basel.

00:04:03: Lena Wolfart: Das zweite Projekt, in das wir uns heute vertiefen, ist die Schützenmatte in Bern.

00:04:07: Und hier mit am Tisch sitzt Nadine Heller.

00:04:11: Sie ist ehemalige Leiterin der Fachstelle Gestaltung öffentlicher Raum der Stadt Bern.

00:04:16: Dort hat sie den Prozess an der Schützenmatte geleitet.

00:04:18: Heute leitet Nadine den Bereich Gestaltung und Nutzung im Tiefbauamt der Stadt Bern.

00:04:23: Und sie ist dort verantwortlich für die Entwicklung und Gestaltung öffentlicher Räume

00:04:27: und war so Co-Projektleiterin bei der Vorstudienphase zur Umgestaltung der Schützenmatte.

00:04:32: Judit Solt: Last but not least Walter Schenkel.

00:04:35: Beim Projekt Schützenmatte betreute und begleitete er zusammen mit Urban Catalyst aus Berlin die Konzeption und Umsetzung der Prozessarchitektur.

00:04:45: Lena Wolfart: und der Partizipation. Gerne möchte ich Nadine und Walter

00:04:48: bitten, die Schützenmatte, ein sehr

00:04:50: zentral gelegener öffentlicher Raum in Bern in der Nähe der Reitschule, genauer vorzustellen. Bitte.

00:04:56: Nadine Heller: Die Schützmatte ist ca.

00:04:58: 8000 Quadratmeter gross und ist aber wie eine Insel umgeben von ganz viel befahrenen Strassen.

00:05:04: Das komplette Gebiet drumherum ist sehr komplex, funktional, heterogen.

00:05:09: Die Nutzungen sind vielfältig, Gewerbe, Dienstleistung, das Kulturzentrum,

00:05:16: Reitschule, wo Veranstaltungen stattfinden.

00:05:19: Hier dominiert eigentlich das Nachtleben. Unter dem Viadukt ist eine Skateball.

00:05:25: Und bis 2018 wurde der Ort mindestens 60 Jahre als Parkplatz genutzt.

00:05:31: Gegenüber an der Hodlerstrasse ist die Sozialinstitution mit der Drogenabgabestelle.

00:05:37: Und auf dem Platz findet seit Jahren Drogenkonsum, Drogenhandel, Kleinkriminalität statt.

00:05:43: Und das Sicherheitsthema ist vor allem nachts,

00:05:46: aber im Moment auch über den Tag immer wieder ein Problem.

00:05:51: Die Situation verschärfte sich immer wieder,

00:05:54: wenn es zu Gewalteskalationen kam,

00:05:56: vor allen Dingen zwischen autonomen Gruppen und Polizei auf der Schützenmatte.

00:06:01: Und das ist einmalig in der Schweiz und es macht den Platz so herausfordernd.

00:06:08: Kurz gesagt, es ist ein Ort der Gegensätze in jeglicher Hinsicht und ein Ort,

00:06:13: an dem die gesellschaftspolitischen Probleme der Welt sichtbar werden.

00:06:17: Vor unserem Prozess im 2012 waren diverse Planungen schon gemacht worden.

00:06:24: Da hat sich Masterarbeiten geschrieben und immer wieder wurden die Planungen in die Schublade gepackt,

00:06:31: weil es so viele Interessenkonflikte gab, die zu politischen Einzelentscheidungen führten.

00:06:36: Und niemand wollte sich schlichtweg die Hände dort verbrennen, um dort irgendwas zu starten.

00:06:42: Dazu muss man sagen, die Schützenmatte mit dem Kulturzentrum Reitschule gehört der Stadt Bern.

00:06:47: Konsens bestand aber an einem Punkt und da waren sich alle einig, hier muss was passieren.

00:06:53: Und der Druck war dann so gross,

00:06:56: dass 2012 der Gemeinderat gesagt hat, okay,

00:06:59: wir starten eine langfristige Planung. Wie haben wir nun den Prozess gestartet?

00:07:05: Wir haben uns seitens Stadtplanungsamt gegenüber

00:07:08: der Politik positioniert und haben ganz klar gesagt,

00:07:12: wir wollen nicht so planen wie eh und je, wir sehen darin gar keinen Sinn mehr.

00:07:17: Und so haben wir die sogenannte Phase Null,

00:07:20: die Prozessphase eingeführt und haben eigentlich ein Dreivierteljahr nur an den Prozess gedacht.

00:07:28: Ziel war, einen innovativen, ergebnisoffenen Planungsprozess mit allen betroffenen Akteuren durchzuführen,

00:07:34: um eine positive Entwicklung in dem Raumschützmatte einzuleiten.

00:07:39: Und da keiner so einen Prozess im Detail bei uns kannte und in der Verwaltung schon gar nicht,

00:07:45: haben wir einen Expertinnen-Workshop organisiert.

00:07:49: Wir haben alles gespiegelt dort.

00:07:51: Als die Expertinnen dann gesagt haben, ja, so könnte es eigentlich machen,

00:07:56: hat dann natürlich die Politik und der Amtsleitende auch gesagt, okay, wir machen es jetzt.

00:08:01: Wir haben dann die Phase 1 gestartet.

00:08:04: Wir haben im 2014 das erste viertägige Labor

00:08:07: durchgeführt mit einem öffentlichen Forum

00:08:10: für die breite Öffentlichkeit.

00:08:12: Wir haben ein Infopavillon gestellt, Kunstinstallationen, Führungen etc.

00:08:18: Dieses Labor war so erfolgreich, dass das Begleitgremium und die Bevölkerung gesagt haben, wir wollen noch mehr.

00:08:25: Im November 2016 wurde das Nutzungsentwicklungskonzept

00:08:28: mit den unterschiedlichen Massnahmen bereits verabschiedet im Stadtrat.

00:08:34: Der Stadtrat hat im gleichen Zug die Aufhebung aller Parkplätze beschlossen, also aller 155 Parkplätze.

00:08:41: 2018 wurde eine Kompromisslösung gefunden,

00:08:44: da natürlich Einsprachen eingingen bei diesem Parkplatz.

00:08:49: Und wir konnten diese ein Drittel,

00:08:51: zwei Drittel Lösungen finden mit den Einsprechenden,

00:08:54: die wir dann 2018 umgesetzt haben.

00:08:57: Im 2020 haben wir dann die nächste Phase gestartet und haben aus diesem Nutzungsentwicklungskonzept die Vorstudie zur Umgestaltung der Schützenmatte herausgelöst,

00:09:09: die wir 2022 abgeschlossen haben.

00:09:11: Die Vorstudie ist jetzt abgeschlossen und nun sollte die nächste Phase, das Vorprojekt, gestartet werden.

00:09:17: Die anderen Bausteine aus dem Nutzungsentwicklungskonzept werden zum Teil losgelöst,

00:09:23: geplant und auch umgesetzt. Drumherum,

00:09:26: die Strassen sollen umgestaltet werden,

00:09:28: dies soll sogar noch vor der Umgestaltung der Schützenmatte passieren,

00:09:33: die vorauslächtig im Jahr 2028,

00:09:36: 2029 umgestaltet werden soll.

00:09:38: Lena Wolfart: Herzlichen Dank für diese Ausführungen.

00:09:41: Über zehn Jahre ein sehr komplexer, sehr ressourcenaufwendiger Prozess.

00:09:46: Walter, wie hat man das geschafft, alle davon zu überzeugen, dass man sich auf so etwas einlässt?

00:09:53: Walter Schenkel: Die Schützenmatte hat eine gesamtstädtische, regionale Bedeutung, fast schweizweit schon bekannt.

00:09:58: Sie hat auch immer ein bisschen dem Bundesplatz gegenübergestellt.

00:10:01: Der Bundesplatz ist auch ein wichtiger Ort für Bern, aber sehr gepflegt natürlich.

00:10:06: Die hohe Politik geht da über den Platz und die Schützenmatte ist natürlich der Unort.

00:10:12: Aber trotzdem,

00:10:13: die Schützenmatte hatte eine Identität und es war zu einem gewissen Grad verpolitisiert.

00:10:20: Und deshalb auch dieses Nutzungs- und Entwicklungskonzept, dieses NEC, das dann auch verabschiedet worden ist.

00:10:25: Und das war ein ganz wichtiger Schritt.

00:10:27: Nadine Heller: Genau, es war ein kleiner Kampf natürlich. Wir haben uns positioniert und wir haben ganz klar gesagt,

00:10:34: wir führen den Prozess nur so und sonst nicht mehr.

00:10:37: Walter Schenkel: Ein wichtiges Motto, das wir auch immer gesagt haben,

00:10:40: ist die Zukunft des Areals, des Gebiets liegt im Prozess.

00:10:43: Und so sind dann auch diese Snake und später die Vorstudie

00:10:46: eigentlich recht reibungslos über die Bühne gegangen. Das war doch erstaunlich.

00:10:53: Judit Solt: Das bedeutet ja, dass die Stadt Bern hier eine ganz andere Haltung eingenommen hat.

00:10:59: Also dass mit dieser Implementierung von lernenden Prozessen sich ja auch das Rollenverständnis wandelt.

00:11:05: Die Verwaltung versteht sich als Ermöglicherin, als jemand, der experimentieren lässt.

00:11:11: Also eigentlich gibt man ein Stück weit die Zügel aus der Hand.

00:11:15: Nadine Heller: Wir hatten den Plan, vier Workshops zu machen und wir wollten mit ihnen diskutieren über

00:11:21: Bauung,

00:11:22: Hochhaus oder Freiraum und innerhalb der ersten Sitzung war klar: Wir wollen keine

00:11:31: Überbauung, wir wollen einen Freiraum, wir wollen keine Parkplätze und in diesem

00:11:36: Begleitgremium meldete sich eine Person und die hat dann gesagt:

00:11:40: Ja, aber wir wollen...

00:11:41: doch jetzt testen vor Ort, wie funktioniert das denn, wenn diese Parkplätze weg sind?

00:11:46: Und dann haben wir erst mal angefangen zu realisieren, was das für uns bedeutet.

00:11:51: Damals wussten wir noch gar nicht, dass das Lernen eine Planung war.

00:11:56: Lena Wolfart: Es scheint, dass inzwischen in der Stadt Bern sehr etabliert ist, die lernende Planung.

00:12:00: Es gibt hier die Grundlage «Bern baut».

00:12:02: Ich zitiere, da steht drin, um die Bedürfnisse der Bevölkerung schnell und unbürokratisch umzusetzen,

00:12:08: hat die Stadt Bern den Ansatz der lernenden Planungskultur eingeführt.

00:12:12: Es ist also viel passiert.

00:12:14: Was hat sich geändert in den Strukturen von Bern?

00:12:17: Ist das heute Gang und Gäbe oder steht das einfach da und ihr müsst immer noch kämpfen?

00:12:22: Nadine Heller: Also unsere Planungskultur kam natürlich durch verschiedene Themen in unsere Verwaltung.

00:12:27: Einerseits hatten wir den Prozess auf der Schützenmatte gemacht. Wir hatten da sehr viel gelernt.

00:12:32: Und auf der anderen Seite haben wir festgestellt, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung immer mehr werden.

00:12:38: Und wir hatten überhaupt gar keine Prozesse, um mit diesen Bedürfnissen umzugehen.

00:12:44: Und wir hatten zu der Zeit auch einen Strategiewechsel in der Stadt Bern.

00:12:50: Wir haben dann eine Reise gemacht nach Kopenhagen zu Gehl, Landschaftsarchitekten.

00:12:54: Und die haben uns mal gezeigt, wie man das macht. Und unsere Direktorin,

00:12:59: damals Gemeinderätin Ursula Wyss,

00:13:01: die wollte einfach mal unsere gemeinsamen Denkmuster aufbrechen.

00:13:05: Und das haben sie wirklich geschafft, dass wir festgestellt haben,

00:13:09: als wir uns die Beispiele in Kopenhagen angeschaut haben ja, wieso machen wir uns das so schwer?

00:13:15: Und die Gemeinderätin hat auch noch was gemacht. Und zwar, sie hat gesagt, ihr dürft Fehler machen.

00:13:21: Und das hat den Knopf bei uns gelöst, um zu sagen, okay, wir haben den Mut,

00:13:26: um diese temporären, kurzfristigen Massnahmen zu machen.

00:13:31: Und so haben wir ab 2017 aktiv kleine Tests in der Stadt gemacht.

00:13:37: Wir fingen mit den roten Tischen und Stühlen an.

00:13:41: Da hiess es dann ja, die werden doch gestohlen. Das funktioniert nicht.

00:13:45: Okay, kleiner Test hat funktioniert, ausgeweitet.

00:13:48: Und so haben wir wie über die Tests gelernt.

00:13:51: Es funktioniert ja, warum hatten wir eigentlich Angst.

00:13:53: Das Büro Gehl hat uns auch noch gezeigt, dass es so wichtig ist, diese Quick-Wins zu haben.

00:13:59: Denn wenn man sich vorstellt,

00:14:01: ein normales Projekt bei uns im Tiefbauamt, im öffentlichen Raum,

00:14:05: dauert sieben bis zehn Jahre.

00:14:08: Und die Grösseren zehn bis zwanzig Jahre.

00:14:10: Und das ist einfach viel zu lange, um genau auf diese Kurzbedürfnisse zu reagieren.

00:14:16: Und heute sagen wir ganz klar für Bauprojekte, die lange Planung haben,

00:14:21: wollen wir diese Tests aktiv machen, um nicht falsch zu bauen.

00:14:26: Und um die Nutzenden immer dabei zu haben, denn die Bedürfnisse verändern sich immer schneller.

00:14:32: Es braucht.

00:14:33: Judit Solt: Es braucht schnelle Reaktionen und immer wieder Weggabelungen,

00:14:37: wo man vielleicht auch zurückbuchstabieren kann.

00:14:39: Das widerspricht eigentlich einer langfristigen Planung.

00:14:43: Verstehe ich richtig, dass diese Haltung,

00:14:46: dass man erst mal testet, 1 zu 1 Modell, evaluiert,

00:14:50: Erkenntnisse einspeist, wieder testet, weitermacht usw.,

00:14:54: dass das jetzt wirklich zu einem Standardprozess geworden ist? Ja.

00:15:00: Nadine Heller: Also ich will nicht sagen bei allen Projekten.

00:15:02: Es gibt auch Projekte, ich sage mal die Brückensanierungen.

00:15:06: Da haben wir nur punktuell Partizipation dabei.

00:15:08: Aber wirklich die Platzprojekte, die entscheidend sind auch für die Bevölkerung, machen wir so.

00:15:15: Judit Solt: Und wo liegen die Herausforderungen, du hast erwähnt, die Angst, Fehler zu machen?

00:15:21: Gibt es noch andere Voraussetzungen, die gegeben sein müssen,

00:15:25: damit eine Verwaltung solche Prozesse zu implementieren wagt?

00:15:31: Nadine Heller: Also ich denke, der politische Rückhalt muss schon da sein,

00:15:35: dass wirklich von ganz oben dieses Verständnis getragen wird. Und die Chance, was wir hatten,

00:15:41: dass wir diese Planungskultur leben können, war wirklich,

00:15:45: dass die drei Amtsleitenden diesen Prozess begleitet haben

00:15:49: und Bernd Baut wirklich aktiv verändert haben, weil sie festgestellt haben,

00:15:54: das ist so ein grosser Mehrwert und wir haben so viel Erfolg damit.

00:16:00: Wir minimieren sogar die Risiken darin und wir merken, dass die Planenden,

00:16:05: die Menschen in der Verwaltung sogar noch Spass haben bei der Arbeit

00:16:09: dass es eigentlich ein grosser Mehrwert ist, solche Projekte zu machen.

00:16:14: Lena Wolfart: Ja, die Stadt Bern scheint mir hier auch eine Vorreiterin zu sein, weil sie sehr früh mit so etwas angefangen hat.

00:16:19: Ich habe das Gefühl, inzwischen werden ähnliche Prozesse in verschiedenen Schweizer Städten angegangen.

00:16:24: Wird dieser Mut gefasst? Das ist toll.

00:16:27: Ich habe noch eine Frage zu diesem Man darf scheitern.

00:16:30: Nochmal zur Schützenmatte. Könnt ihr ein konkretes Beispiel nennen, wo man etwas ganz Konkretes eben gelernt und in die Planung integriert hat?

00:16:37: Nadine Heller: Es sind viele Dinge passiert, aber wir haben das wie nie als Scheitern gesehen.

00:16:42: Beim ersten Labor haben wir gesagt, okay, wir machen das mit dem Flohmarkt.

00:16:46: Aber wir haben uns überhaupt nicht überlegt, wie viele Leute dort mit dem Auto zum Flohmarkt kommen.

00:16:52: Und ich war noch beim Frühstück und hatte schon das Telefon von der Polizei.

00:16:56: Ich möchte runterkommen. Alles voller Polizei, alles voller Autos, zwischen Pavillon, überall.

00:17:03: Und ja, ich musste alle Bussen wieder einsammeln oder habe eingesammelt, 120 Stück.

00:17:10: Und musste dann natürlich Montag zum Stadtpräsidenten wegen dem Annullieren.

00:17:15: Und Wochen später riefen mich noch die Leute an, sie hätten nie gehört, ich annulliere Parkbussen.

00:17:21: Und das sind immer so Geschichten, die dann dort passiert sind, wo wir dann wirklich manchmal auch schmunzeln mussten.

00:17:29: Und das aber nie als Problem gesehen haben, sondern Teil von dem Ganzen.

00:17:33: Und irgendwann haben wir auch realisiert, ja, das ist eigentlich Teil unserer Planung.

00:17:39: Judit Solt: Eine letzte Frage vielleicht noch zu diesem konkreten Projekt. Wir haben gesehen,

00:17:43: da gibt es einen sehr grossen Zielkonflikt zwischen der Nachfrage nach Parkplätzen.

00:17:50: Das ist offensichtlich ein Bedürfnis, gleichzeitig gibt es ganz viele andere Bedürfnisse.

00:17:54: Das ist eine Situation, die in anderen Städten zur Totalblockade führt.

00:17:59: Und in eurem Fall ist es gelungen,

00:18:02: tatsächlich aus diesen Zielkonflikten kreativ eine Lösung zu finden

00:18:08: mit der alle einigermassen zufrieden sind, die dann wirklich auch funktioniert hat.

00:18:13: Wie ist das gelungen und losgelöst von dieser Parkplatzgeschichte?

00:18:17: Welche Art von Diskussion hat es gebraucht,

00:18:20: damit ihr in einer so typisch verfahrenen Situation

00:18:25: im wahrsten Sinne des Wortes eine Lösung finden konntet?

00:18:29: Walter Schenkel: Wir haben von den Schützern Mathe, von den Häusern,

00:18:32: von der Reitschule gleich vor dem Labor ein 10-Meter-auf-10-Meter-Modell gemacht.

00:18:36: Und bei einem grossen öffentlichen Diskussionsforum wurde dann in diesem Modell diskutiert.

00:18:42: Die Spielregel war im Prinzip, dass man ins Modell hineingeht, diskutiert, wie man das sieht, was die Probleme sind,

00:18:48: wo die Zielkonflikte sind und dann wieder rausgeht.

00:18:51: Und man hat in diesem Modell auch Simulationen vorgenommen,

00:18:55: also diesmal eben nicht Computersimulationen oder so, sondern Personensimulationen.

00:19:00: Die Teilnehmenden haben zum Beispiel den Verkehr simuliert. Sie haben ein Auto gespielt,

00:19:06: sind im Kreis rumgelaufen und dann hat dann Klaus zum Beispiel gesperrt und dann gab es Stau.

00:19:12: Und dann haben die Leute gesehen, der Verkehr und die anderen Nutzungsfragen, das ist ein Zielkonflikt.

00:19:18: Und so konnte man irgendwie auch zeigen,

00:19:20: natürlich dann auch verkehrsplanerisch untermauert,

00:19:23: dass der Verkehr rund um die Schützernmatte dort gar nicht so schlecht ist.

00:19:27: Es hat nämlich keine Bewohner, besser dort als im Quartier und man muss ihn einfach beruhigen, wenn schon Verkehr, dann dort.

00:19:34: Und das wurde dann in diesem Modell erstmals richtig verstanden. Und das wurde dann in diesem Modell erstmals richtig verstanden.

00:19:39: Lena Wolfart: Also ein wichtiges Plädoyer für das Arbeiten mit physischen Modellen,

00:19:43: weil die wirklich einen Lerneffekt bringen,

00:19:46: weil man vieles sonst übersehen würde und weil es Spass macht,

00:19:50: habe ich auch nochmal stark rausgehört.

00:19:53: Judit Solt: Nun hören wir eine kurze Präsentation zum Gleichbogen Basel.

00:20:00: Nico Scholer: Der Gleisbogen befindet sich auf dem Dreispitz.

00:20:03: Das ist ein 50 Hektare grosses Areal, das sich über zwei Kantone und zwei Gemeinden erstreckt.

00:20:09: Die Stadt Basel und die Gemeinde Münchenstein im Kanton Basel Landschaft.

00:20:14: Anfang der 2000er Jahre war das Dreispitz ein Industrie-,

00:20:19: Gewerbe- und Logistikareal

00:20:21: und grössenteils für die Bevölkerung geschlossen, ausser man arbeitete dort.

00:20:27: Aktuell befindet sich das Dreispitz in Transformation zu einem gemischt genutzten Stadtteil.

00:20:33: Die Christoph-Mehr-Stiftung, die CMS,

00:20:36: ist Eigentümerin des Areals und somit auch verantwortlich für diese Transformation.

00:20:42: Ein Teil der Transformation ist bereits realisiert,

00:20:45: unter anderem das sogenannte Freilager als Zentrum für Kunst und Kultur

00:20:49: mit der Hochschule für Gestaltung und dem Schaulager.

00:20:54: Man kann sich der Gleisbogen so als Schienenschneise vorstellen, der sich quer durch die Mitte des Dreispitz erstreckt.

00:21:01: Und bis 2016 wurde darauf rangiert.

00:21:04: Also die Bahninfrastruktur war noch in Betrieb.

00:21:07: Und durch deren Stilllegung ergab sich die Möglichkeit, die Gleisfelder als Freiräume zu entwickeln.

00:21:14: Und die CMS hat sich gefragt,

00:21:16: wie entwickelt man jetzt Gleisfelder zu Freiräumen mit ihren komplexen Voraussetzungen bezüglich Mikroklima,

00:21:23: bezüglich Aufenthaltsqualität und auch,

00:21:25: wie entwickelt man sie zu Freiräumen,

00:21:28: wenn ein Grossteil des Areals noch als Logistik- und Gewerbeareal in Betrieb ist und ja auch gebraucht wird.

00:21:35: Und gleichzeitig wollte man eben diese Gleisfelder der Öffentlichkeit zugänglich machen.

00:21:40: Diese und noch weitere Fragen haben wir drei Büros gestellt,

00:21:44: die dann im Kooperationsverfahren Grundlagen erarbeitet haben für das Vorgehen auf dem Gleisbogen.

00:21:50: Wie wir das gemacht haben, da übergebe ich jetzt das Wort an Veteranauern.

00:21:54: Vedrana Zalac: Das Studio Gleisbogen ist eine Dialogplattform,

00:21:57: die man als ein Zusammenkommen von unterschiedlichen Akteuren vor Ort verstehen muss.

00:22:02: Die Akteure hier waren Christoph Merian Stiftung, Nutzerinnen vor Ort und wir.

00:22:07: Unsere Aufgabe war die Vernetzung dieser Akteure,

00:22:11: der Wissensaustausch und die Entwicklung eines Transformationsprogramms.

00:22:17: Dieses Programm umfasste unterschiedliche Formate,

00:22:20: zum Beispiel eine Reihe von Dialogwerkstätten in den eingeladenen Akteuren,

00:22:24: das Raumprogramm für das Gleisbogen entwickelt haben.

00:22:27: Es gab auch kleine, wiederkehrende Formate wie ein Gleishock.

00:22:32: Das war ein regelmässiges Zusammenkommen und Austausch der Nutzerinnen vor Ort.

00:22:38: Das Ziel war es,

00:22:39: neben den räumlichen Interventionen auch eine Trägerschaftsstruktur aufzubauen und uns selbst obsolet zu machen.

00:22:47: Das ist uns auch gelungen. Gegen Ende unseres Mandats hat sich der Verein Studio Dreispitz konstituiert.

00:22:54: Der Verein ist jetzt Partner vor Ort für die Eigentümer.

00:22:57: Sie bringen ihr Wissen und ihre Bedürfnisse in die weitere Planung ein. Nico, du hast besprochen.

00:23:02: Lena Wolfart: was die Herausforderungen an diesem Ort sind. Das war eigentlich ein eher abgeschlossener Ort,

00:23:07: der auf der Mental Map der Baslerinnen noch nicht so da war.

00:23:10: Aber ihr habt trotzdem mit den Akteuren vor Ort begonnen.

00:23:13: Was für Akteure waren denn schon da und wer ist heute dort?

00:23:17: Nico Scholer: Also es war ein erster Schritt, dass Denkstatt geschaut hat, wer ist denn überhaupt hier

00:23:21: und wer hat Interesse, diesen Ort zu entwickeln.

00:23:23: Man muss sich vorstellen, das ist dieses Industrie-Gewerbe-Areal

00:23:26: und dort hat es ganz kleine Unternehmungen, eine Werkstatt, eine Scheinerei-Werkstatt.

00:23:32: Da hat es Food-Trucks, die mit ihrem Angebot wie eine Kantine-Funktion für das Areal übernehmen.

00:23:38: In unmittelbarer Nähe ist ja die HGK.

00:23:41: Also es hat viele Studierende, die vielleicht auch Interesse haben, ein Projekt zu verwirklichen.

00:23:46: Es hat also sehr unterschiedliche Akteure vor Ort.

00:23:48: Es ist ein Mikrokosmos, den wir aber zuerst auch erkundet haben.

00:23:54: Lena Wolfart: Vielleicht noch eine Frage, Nico, damit das allen klar ist, weil nicht alle aus Basel kommen.

00:23:58: Was ist genau die CMS und was ist ihr Zweck?

00:24:02: Nico Scholer: Die CMS ist eine Förderstiftung und sie unterstützt Projekte im Bereich Kultur, Soziales und Ökologie.

00:24:09: Und die Zemes ist Eigentümerin des Areals und hat etliche Parzellen im Baurecht abgegeben.

00:24:15: Das heisst, es hat auch unterschiedlich lange Baurechtsverträge. Das war so eine Herausforderung.

00:24:20: Wie geht man denn jetzt mit dem um, dass man einen Ort hat, den man mit einem Wurf quasi entwickeln kann?

00:24:26: Das andere, es war eine komplett neue Herausforderung, solche Gleisfelder zu entwickeln.

00:24:32: Es sind auch Hitzeinseln und man musste auch ausprobieren, wie funktioniert das mit Begrünung,

00:24:37: was heisst das auch in Bezug auf die Biodiversität und so weiter.

00:24:41: Ein einziger Wurf war gar nicht möglich. Das haben wirklich alle Büros gesagt.

00:24:46: Wir müssen hier schrittweise vorgehen, ausprobieren,

00:24:49: von den Erfahrungen in den ersten drei,

00:24:51: vier Jahren lernen und dann quasi in die übergeordnete Planung die Erfahrung einfliessen lassen.

00:24:57: Judit Solt: Nun könnte man das aber trotzdem auch anders angehen.

00:25:00: Es gibt Bauherrschaften, die in solchen Situationen etappieren.

00:25:04: Diese lernende Planung mit der laufenden Rückkopplung,

00:25:08: mit dem immer wieder neuen Einspeisen der Learnings

00:25:12: von dem jeweils vorangehenden Schritt,

00:25:14: ist trotzdem ein anderer, neuartiger und für viele Akteure, denke ich,

00:25:20: auch etwas ungewohnter Prozess, den man mutig wählen kann.

00:25:26: Und das tut man natürlich nur, wenn man einen Mehrwert erwartet.

00:25:29: Wenn man denkt, das wird die Qualität, das wird die Sicherheit,

00:25:33: das wird die Rendite, was auch immer man sich da wünscht, auch fördern.

00:25:37: Wo lagen da die diesbezüglichen Erwartungen?

00:25:41: Nico Scholer: Ich glaube, es lag wirklich dort die Erwartung, dass man davon ausging,

00:25:45: dass wenn man die Akteurinnen und Akteuren, die bereits dort sind

00:25:48: die Alltagswissen haben, wie dieser Ort funktioniert, dass dann tragfähigere Lösungen möglich sind,

00:25:54: die dann auch längerfristig Bestand haben und auch Fehlplanung vermeiden.

00:25:58: Das war sicher eine Überlegung zu Beginn von diesem Prozess.

00:26:02: Judit Solt: Das Studio Gleisbogen lief von 2020 bis 2024.

00:26:05: Gibt es auch Erkenntnisse aus diesen vier Jahren, bei denen ihr gemerkt habt, da muss man was ändern, wir sind falsch gestartet, es braucht eine Anpassung?

00:26:17: Vedrana Zalac: Auf jeden Fall. Gleisanslagen sind für Menschen doch keine lebenswerten Umgebungen.

00:26:22: Es ist heiss, grau, schlecht zugänglich und es gibt keine Aufenthaltsmöglichkeiten.

00:26:28: In allen Dialogformaten würde ein starkes Bedürfnis formuliert.

00:26:32: Wir wollen Schatten, wir wollen Wasser und wir wollen mehr Aufenthaltsorte mit mehr Grün.

00:26:39: Um darauf zu reagieren, haben wir eine Strategie der kontrollierten Sukzession entwickelt.

00:26:45: Also wir haben den Auftraggeber vorgeschlagen, die Gleisanlagen ab sofort nicht mehr als solche zu pflegen,

00:26:51: sondern die natürliche Rückkehr der Natur zuzulassen und zu unterstützen.

00:26:55: Nach dem ersten grossen Einklang für unsere Idee kamen die planungsrechtlichen Bedenken.

00:27:01: Weil zum Beispiel die Bäume, die in den Gleisanlagen selbstverständlich wachsen,

00:27:06: irgendwann planungsrechtlich relevant sind.

00:27:09: Also irgendwann greift Baumschutz, der insbesondere in Basel sehr stark ist.

00:27:14: Dazu kamen weitere Fragen wie möglichen Altlasten, der Umgang mit Neophyten und so weiter und so weiter.

00:27:21: All diese Fragen stellten uns bereits vor eine Herausforderung.

00:27:24: Die Bedürfnisse sind da, aber unser Spielraum ist relativ klein.

00:27:29: Judit Solt: Ja, ich glaube, das ist ein extrem schönes Beispiel für das angangs angesprochene Problem,

00:27:35: nämlich die Frage, wie kann man die kurzfristigen Bedürfnisse,

00:27:39: die kurzfristigen Eingriffe in Einklang bringen mit der Ungewissheit der Zukunft.

00:27:46: Also diese Balance zwischen entscheiden und nicht entscheiden.

00:27:51: Wenn wir jetzt nun versuchen,

00:27:53: über die beiden Projekte hinweg zu Erkenntnissen zu kommen

00:27:58: und zu überlegen, welche Learnings kann man mitnehmen, welche Learnings kann man verallgemeinern

00:28:05: und vielleicht auch anderswo anwenden.

00:28:07: Wer hat vielleicht auch ein konkretes Beispiel, wo das tatsächlich auch stattgefunden hat?

00:28:13: Nadine Heller: Also ich würde auf jeden Fall sagen, dass es funktioniert auf andere Disziplinen.

00:28:17: Es werden ja überall Pilotprojekte, Experimentierfelder, Testphasen etc. gemacht.

00:28:23: Und von daher kann ich mir vorstellen, dass es eigentlich überall funktioniert und man so eigentlich die Risiken minimiert.

00:28:30: Wir stellen zum Beispiel sogar fest,

00:28:32: dass unser Polizeiinspektorat viel mehr Pilotprojekte macht schon als wir.

00:28:37: Also das Austesten von Nutzungen auf Plätzen oder wenn Sie Veranstaltungsanfragen haben, dass Sie sagen,

00:28:44: oh, das machen wir jetzt mal als Test und kündigen das auch so an.

00:28:48: Und wenn man scheitert, kann man sagen, man ist gescheitert, weil das war ein Test und es kommt nicht mehr so wieder.

00:28:55: Lena Wolfart: Mich hat auch noch interessiert, vielleicht bei der Stiftung CMS, wie war das, als das Projekt angefangen hat?

00:29:00: Hat das auch die Strukturen dieser Organisation vor Herausforderungen gestellt? Nico, wie war das?

00:29:06: Nico Scholer: Ja, klar. Ich denke, wenn man einen neuen Prozess initiiert, das ist ja wie eine Organisationsentwicklung.

00:29:12: Und da mussten wir uns zuerst auch finden, also auch die gleiche Sprache finden.

00:29:18: Was verstehen wir denn jetzt unter Dialog und unter Partizipation?

00:29:22: Und Einlearning war sicher auch,

00:29:24: wir können den Freier nicht nur quasi auf dem Gleisbogen

00:29:29: auf diesem Gleisfeld entwickeln, wir müssen immer auch die EG-Nutzungen nebendran mitdenken.

00:29:35: Die Akteurinnen, die haben dann von sich aus diese EG-Nutzungen gesucht.

00:29:39: Also die haben den kleinen Schopf umgebaut, der eigentlich Materiallager war vom Betrieb Dreispitz.

00:29:45: Und die haben dann gesagt, ja, wir können den umbauen, wir können dort einen Kiosk reintun.

00:29:49: Und so hat uns dieser Prozess auch herausgefordert, den Perimetern eigentlich zu öffnen.

00:29:55: Judit Solt: Dafür braucht es ja auch Kompetenzen innerhalb der Organisation,

00:29:59: die solche lernenden Prozesse anstösst, sei es eine Verwaltung, sei es eine Eigentümerschaft.

00:30:06: Was braucht es noch, damit solche lernenden Prozesse wirklich auch funktionieren?

00:30:12: Nadine Heller: Also ich denke, total viel Offenheit gegenüber allem, was dort kommt,

00:30:17: dass man immer offen bleibt.

00:30:20: Es braucht natürlich in der Verwaltung auch ein gewisses Verständnis für Verwaltungsprozesse.

00:30:26: Also ohne das geht es nicht.

00:30:28: Also im Ausmass von dem grossen Projekt muss man da natürlich ein Verständnis haben,

00:30:34: wie läuft der politische Prozess ab, wo ist mein Projekt drin, welche Wege muss ich gehen, um gewisse Dinge abzuklären.

00:30:41: Also das braucht schon

00:30:43: Vedrana Zalac: Ich beobachte, dass es sowohl bei Verwaltungen als auch bei privaten Organisationen genug Kompetenzen gibt.

00:30:49: Was es hier braucht, ist Offenheit und Verständnis dafür, dass solche Prozesse übergreifend angegangen werden müssen.

00:30:56: Fast immer sind Gefässe, Strukturen und Prozesse erforderlich, die es bis dahin nicht gab,

00:31:02: um verschiedene Aspekte und Ansichten an einen Tisch zu bringen und die lernende Planung gemeinsam begleiten zu können.

00:31:09: Oft unterstützen wir Verwaltungen dabei, diese Strukturen und Prozesse gemeinsam zu entwickeln.

00:31:14: Lena Wolfart: Also es braucht schon sehr viel Initiative am Anfang,

00:31:18: um die Akteure nicht nur einzuladen,

00:31:20: sondern auch aktiv anzugehen und herzuholen.

00:31:23: Beim Gleisbogen ist jetzt ja ein Trägerverein entstanden.

00:31:26: Wie ist das eigentlich bei der Schützenmatte?

00:31:28: Hat sich im Verlauf dieses Prozesses auch irgendeine soziale Struktur gebildet, die jetzt am Ort präsent ist?

00:31:35: Nadine Heller: Es ist sehr vielschichtig.

00:31:37: Es hat sich ein Verein gegründet, Neustadt, und dort haben sich die Anrainer organisiert,

00:31:43: was wir natürlich sehr gut fanden,

00:31:46: weil sie dadurch versucht haben,

00:31:49: neben unserem Projekt über Aktionen, über Veranstaltungen

00:31:53: dieses ganze Positive aus dem Prozess mitzunehmen und auch für sich zu nutzen.

00:31:59: Und wir haben sie immer wieder motiviert, zu sagen, hey, kommt, kommt, macht Vorschläge,

00:32:06: wir unterstützen euch

00:32:07: wir schaffen es auch nicht alleine. Und das war dann sehr schön zu sehen, dass sie sich da gefunden haben in dem Prozess.

00:32:14: Lena Wolfart: Ja, das zeigt sehr schön, wie solche Lernplanungsprozesse auch neue Organisationsarchitekturen mit sich bringen,

00:32:20: die irgendwie eigentlich organisch entstehen und dann eine Kümmererinschaft um öffentliche Räume sich so bildet und die öffentlichen Räume so sehr starke Identitäten erhalten.

00:32:30: Nico Scholer: Meine Erfahrung ist, es braucht auch immer ein Äquivalent in der Verwaltung oder eben in der Eigentümerschaft.

00:32:36: Also quasi eine Ansprechperson oder eben eine Organisation,

00:32:40: wo die Personen in diesem Verein wissen, an wen können wir uns wenden.

00:32:45: Also es braucht wie ein Gegenüber. Das finde ich sehr wichtig.

00:32:48: Judit Solt: Das heisst, dass der lernende Prozess eigentlich im Vorfeld der eigentlichen Projektierung stattfindet,

00:32:54: dass bei der Erarbeitung der Bedürfnisse, bei der Klärung der Situation,

00:32:59: dass dort eben diese ergebnisoffenen, partizipativen Prozesse tatsächlich einen Mehrwert bringen,

00:33:06: weil sie auch eine höhere Planungssicherheit für den jeweils nächsten Schritt dann auch erlauben.

00:33:13: Walter Schenkel: Genau, Punkt. Aber noch was, es ist ressourcenintensiv.

00:33:17: Wir stellen das natürlich ein bisschen in Frage.

00:33:20: Ja klar, am Anfang ist es ressourcenintensiv.

00:33:22: Nicht unbedingt finanziell eigentlich, aber personell, von den Nerven her.

00:33:28: Lena Wolfart: Also umgekehrt, wenn man sich fragt, wo machen solche Projekte denn Sinn oder wo vielleicht auch nicht,

00:33:33: kann man sagen, sie machen einfach dort Sinn, wo es eine enorm hohe Komplexität gibt

00:33:37: und sehr viele Zielkonflikte bestehen und man nicht genau weiss, was für Akteure eigentlich dort sind,

00:33:43: was der Ort eigentlich genau für Bedeutungen hat, was eigentlich die Bedürfnisse und Anliegen wären.

00:33:48: Dort machen solche lernenden Prozesse in einer ersten Phase Sinn. Würdet ihr das so unterschreiben?

00:33:54: Vedrana Zalac: Ich würde sogar sagen, das macht immer Sinn.

00:33:57: Bei Transformationsprozessen geht es doch immer darum,

00:34:01: neue Beziehungen zwischen Orten, Menschen, Nutzungen und Ideen herzustellen.

00:34:06: Dafür braucht es lernende Prozesse,

00:34:09: die diesen Wissen aus dem Alltag und der Planung verbinden können.

00:34:14: Ein sozusagen kontinuierlicher Reality-Check für die langfristigen Planungsprozesse.

00:34:20: Lena Wolfart: Und ich habe jetzt noch eine These. Also eigentlich die Standardpartizipationsprozesse,

00:34:26: ich meine damit einen Workshop machen, dann fliesst das in die Planung und dann wird die Planung umgesetzt,

00:34:30: müssen wir eigentlich zugunsten von lernenden Planungsprozessen ersetzen,

00:34:34: weil ein Partizipationsanlass zu einem bestimmten Zeitpunkt

00:34:37: ja dann eben schon wieder eigentlich keine Gültigkeit mehr hat in seinen Ergebnissen, wenn die Planung umgesetzt ist.

00:34:43: Was würdet ihr zu dieser These sagen?

00:34:46: Nico Scholer: Ich würde Partizipation nicht als einmalige Veranstaltung verstehen, sondern als kontinuierlicher Prozess.

00:34:53: Eine Kultur, die aufgebaut werden muss und dann vor allem am Leben gehalten werden muss. Ich glaube,

00:34:59: es braucht wirklich Personen oder Strukturen,

00:35:02: wo dieser Dialog passieren kann immer wieder,

00:35:05: wo diese Dialogkultur lebendig gehalten werden kann.

00:35:08: Und das ist ja auch ein anderes Verständnis von Planung.

00:35:12: Da habe ich ein Verständnis von Planung, dass man das eben gemeinsam macht. Und darum ist es ganz wichtig, dass man diese Orte hat,

00:35:19: diese Gefässe, wo dieser Dialog lebendig gehalten werden kann.

00:35:23: Judit Solt: Das bedeutet, dass diese lernenden Prozesse, um es vielleicht noch einmal zusammenzufassen,

00:35:29: dass sie erlauben, in diesen vertragten Situationen,

00:35:34: in diesen bösartigen Problemen weiterzukommen

00:35:38: weil sie es erlauben, eine sehr hohe Komplexität mit zu berücksichtigen

00:35:44: durch das Einbinden verschiedenster Akteurinnen und Akteure,

00:35:48: die jeweils ihre Kompetenz des Ortes, der Diskussionskultur, mit einbringen.

00:35:53: Das heisst, es sind Prozesse, die offensichtlich sich auch bewähren,

00:35:58: im härtesten Härtefall tatsächlich bewähren.

00:36:01: Wir haben es gehört an Orten, wo die Situation seit Jahren und Jahrzehnten schon blockiert war.

00:36:08: Also eigentlich klingt das alles sehr positiv.

00:36:10: Nun, die Frage ist aber, warum machen es denn nicht alle?

00:36:14: Wo gibt es denn Hürden, die es zu überwinden gilt, um solche lernenden Prozesse zu implementieren?

00:36:21: Warum tun es denn nicht alle?

00:36:23: Walter Schenkel: Das braucht einen Handlungsspielraum, einen Gestaltungsspielraum.

00:36:26: Wenn der nicht vorhanden ist, dann macht es nicht viel Sinn.

00:36:29: Das macht nicht jedes Projekt dann so umsetzen.

00:36:31: Aber sonst eben, wie Nadine auch ganz zu Beginn bei der Beschreibung der Schützen Mathe

00:36:36: und die Befindlichkeiten in der Verwaltung beschrieben hat,

00:36:41: es braucht die Personen, den Mut.

00:36:44: Und wenn diese Leute fehlen, der politische Rückhalt ist nicht zu unterschätzen.

00:36:49: Auch bei unserem Fall, die Rolle von Alexander Zschäppert war sehr wichtig,

00:36:54: wie er präsent war, wie er den richtigen Ton gefunden hat, zumindest meistens.

00:37:00: Das ist schon geschätzt worden und dann hat es Sinn gemacht.

00:37:04: Das ein bisschen ins Unbekannte gehen.

00:37:08: Und das ist natürlich häufig, ob jetzt Verwaltung oder Büros,

00:37:11: ist das nicht immer so gegeben, dass man das wagt.

00:37:15: Und als Team, dass das gut zusammenpasst.

00:37:19: Verwaltungsstellen, Externe, auch die Menschen, es geht immer um Menschen,

00:37:22: die Planung geht um Menschen, aber auch die Zusammenarbeit ist menschlich wichtig.

00:37:26: Dann gibt es vielleicht die Energie, dass man eine solche Planung einleitet.

00:37:31: Judit Solt: Wie habt ihr das erlebt in Basel?

00:37:35: Vedrana Zalac: Was braucht es dazu? Ich glaube, wir reden hier von einer Änderung der Planungskultur.

00:37:40: Es geht darum, wie wir mit sogenannten Fehlern umgehen,

00:37:45: um die angstfreie Kommunikation von Ideen, die noch komplett in the making sind.

00:37:49: Es geht um das Verständnis, dass jeder von uns Teil eines Prozesses ist,

00:37:54: in dem Scheitern dazugehört und aus dem man lernt.

00:37:57: Und da sehe ich als Planerin, dass wir uns von den fertigen Bildern verabschieden sollten.

00:38:03: In der Landschaftsregulatur ist das eigentlich sehr naheliegend.

00:38:06: Die Pflanzen wachsen und sterben, die Menschen eignen sich die Orte an,

00:38:10: die Nutzungsbedürfnisse ändern sich.

00:38:13: Gerade die Freiräume verändern sich ständig und sind niemals wirklich fertig.

00:38:18: Darum geht es doch, wenn man mit Beständen arbeitet.

00:38:22: Judit Solt: Konflikte aushalten, Ungewissheit aushalten,

00:38:26: das sind vielleicht nicht immer ganz bequeme Dinge.

00:38:30: Wir haben jetzt natürlich von euch und von euren persönlichen Erfahrungen gesprochen,

00:38:34: aber habt ihr diesbezüglich auch von den beteiligten Akteuren etwas gehört?

00:38:39: Weil wenn man eine Struktur aufbauen soll, die längerfristig diesen Dialog aufrechterhalten kann,

00:38:46: dann müssen die Beteiligten auch eine Befriedigung dabei erfahren oder ein Erfolgserlebnis einfahren können.

00:38:52: Ist das gegeben? Habt ihr diesbezüglich Feedback bekommen?

00:38:56: Nico Scholer: Im Studio Gleisbogen, ja, ganz klar.

00:38:58: Die konnten ja auch ihre eigenen Projekte umsetzen.

00:39:01: Ich nehme jetzt das Beispiel Minigolf, ein Projekt, das wir überhaupt nicht gedacht haben,

00:39:06: dass so etwas umgesetzt werden könnte auf diesen Gleisanlagen.

00:39:09: Es sind drei junge Frauen, die zusammen studiert haben.

00:39:13: Die haben das auch im Studium bereits diskutiert.

00:39:15: Wie können wir quasi mit einer Intervention im öffentlichen Raum etwas noch nie Dagewesenes,

00:39:20: wie könnten wir diese umsetzen, diese Intervention? Und das konnten sie auf dem Gleisbogen.

00:39:25: Lena Wolfart: Gut, dann vielleicht noch eine Abschlussfrage.

00:39:28: Wir haben viel gehört über die Mehrwerte, die Vorteile und auch den Spass, den lernende Planungen bringen können.

00:39:34: Vielleicht die letzte Frage einfach nochmal in den Raum.

00:39:37: Sind lernende Planungen die Zukunft oder ein wichtiger Bestandteil der Zukunft der Stadtentwicklung?

00:39:42: Walter Schenkel: Mit diesen Erfahrungen eben positiv, teilweise überraschend positiv,

00:39:47: jetzt an diesen Beispielen, finde ich, müsste das mehr verankert werden,

00:39:52: wie wir es haben ja vorher auch nicht gekannt, vor ein paar Jahren.

00:39:56: Und haben das auch sehr geschätzt, dieses Lernen.

00:39:58: Und eben auch die Akteure, die Anspruchsgruppen, die Leute, die Menschen unter sich.

00:40:03: Das war ja auch bei unserem Prozess immer erhellend,

00:40:07: wie gewisse politische, Anführungszeichen, politische Gegnerschaften

00:40:12: da plötzlich sehr konstruktiv miteinander Lösungen suchten.

00:40:16: Und dass diese Verpolitisierung plötzlich entpolitisiert worden ist,

00:40:21: war sicher ein wichtiger Erfolgsfaktor.

00:40:23: Judit Solt: Um wieder an den Anfang dieser Diskussion zurückzukommen und die Schleife sozusagen wieder zu schliessen.

00:40:29: Wir hatten die These gehört, eine neue Umbaukultur erfordert auch eine veränderte Planungskultur.

00:40:36: Wie diese Planungskultur aussehen könnte,

00:40:39: haben wir jetzt gesehen anhand der lernenden Prozesse angewendet.

00:40:45: Jetzt in diesen beiden konkreten Fällen auf Aussenräume, Freiräume,

00:40:50: die unter einem sehr hohen und vielfältigen Nutzungsdruck stehen und standen und auch in Zukunft stehen werden.

00:40:59: Es ist absehbar, dass diese Entwicklung weiter schreiten wird und das sind Situationen,

00:41:04: die tatsächlich eine ganz andere und neuartige Herangehensweise erfordern.

00:41:10: Es waren zwei erfolgreiche Ansätze, die wir gehört haben,

00:41:14: also zwei erfolgreiche lernende Prozesse, die weitergeführt werden,

00:41:18: die erste Erfolge vorweisen können. Die laufend lernen, die gelernt haben,

00:41:23: wie man neue Erkenntnisse wieder zurückspeisen kann in den Prozess.

00:41:29: Also eine sehr, sehr vielfältige und reichhaltige Ernte, die positiv stimmt.

00:41:37: Wir sind am Ende der Diskussion angelangt, aber der Anfang der Diskussion hat erst gerade stattgefunden.

00:41:44: Nach der Diskussion ist vor der Diskussion, wir machen weiter.

00:41:47: Ich verabschiede mich ganz herzlich und übergebe wieder an Lena.

00:41:52: Lena Wolfart: Das war das erste von vier Gesprächen zum Thema lernender Planungsprozesse und den Chancen des Bestandes.

00:41:57: Wer mehr hören möchte, kann sich in den drei weiteren Gesprächen vertiefen zu den Themen Wohnen,

00:42:03: produktive Stadt und Bildung die auch als Podcast verfügbar gemacht werden.

00:42:07: Und ich bedanke mich ganz herzlich bei unseren

00:42:10: vier Gästen und Gästinnen hier am Tisch

00:42:12: für diese spannende und sehr offene Diskussion. Herzlichen Dank.

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